Flanking Maneuvers – Das Laterale Denken

Flanking Maneuvers – Das Laterale Denken

Workshop an der Cornell University


“Vertical thinking follows the most likely paths; lateral thinking explores the least likely. […] With lateral thinking, one uses information, not for its own sake but provocatively in order to bring about repatterning.” Edward de Bono

 

 

Dominante Formen der Informations- und Wissensorganisation zeichnen sich nicht selten durch binäre Strukturierungslogiken aus, die vertikale und hierarchische Erklärungsmodelle favorisieren. Durch zwei gegenläufige Tendenzen sind diese Organisationsformen in den letzten Jahrzehnten allerdings unter scharfe Kritik geraten: Einerseits haben queere, post-koloniale und neo-marxistische Ansätze seit den 1970er Jahren zu einer radikalen Dekonstruktion dieser Ordnungsweisen aufgerufen; andererseits haben internationale politische Entwicklung durch die Konstruktion „alternativer Wissensordnungen“ jüngst dazu beigetragen, dass strukturelle Logiken von Hegemonie und Subversion wenn nicht völlig entkräftet, so doch zunehmend destabilisiert werden. Aufgrund dieser paradoxen Bewegung, die traditionelle Vorstellungen von Autoritäten und Expertise angreifen und zersetzen, stellt sich daher die Frage nach der Gültigkeit, Reformulierung und Umstrukturierung dieser Beschreibungsmodelle.

Unter dem Begriff des Lateralen (lateralis „die Seite betreffend, Seiten-“ von latus „Seite, Flanke) möchte die Konferenz daher solche Figurationen des Seitenwechsels, des Nebeneinanders und der Horizontalität diskutieren, die vertikale und binäre Logiken in Frage stellen und sich diesen widersetzen. Welche historischen Ordnungsweisen lassen sich mit dem Begriff des Lateralen bündeln, die bisher verdeckt und abseitig geblieben sind; wird durch solch ein Paradigma das Verständnis von Faktizität und Objektivität fundamental erschüttert; und können von dort aus neue Zugriffe konzeptionalisiert werden, die aktuellen Tendenzen der Wissensumordnung angemessener begegnen?

Durch einen transdisziplinären Ansatz beabsichtigen wir, uns Figurationen des Lateralen und deren literarischen, poetischen und kommunikativen Techniken des Seitenwechsels, Nebeneinanders und Umschwungs zu nähern, um deren produktiven Potenzialen ebenso nachzugehen wie deren destruierenden Neigung. Wir suchen nach kritischen Denk-, Lese- und Argumentationsweisen und hoffen, aus dem Komplex ein potenzielles Beschreibungs- und Lektüresystem für die (Ver)Bindungsstrukturen zeitgenössischer Ordnungssysteme entwickeln zu können.


TAGESABLAUF

 

Freitag 13.04
14:00 Einführung
14:30 Panel 1: Shifting Scenery

  • Annekatrin Sommer (Cornell University) – “Kippfiguren: Reading Post-Oedipal Narratives through the Lens of Multistable Perception”

  • Hannah Fissenebert (Humboldt-Universität zu Berlin) – “Reductive Metaphors: Surveying the Vocabulary of Drama Theories”

  • Arne Sander (Humboldt-Universität zu Berlin/ Cornell University) – “Syncing the Disparate: Ana-Chronotopes in Popular Culture”

16:00 Pause

16:30 Keynote Lecture

  • Svea Braeunert (University of Cincinnati) – “Nebenschauplätze: Looking Askew in Contemporary Art”

18:00 Empfang


Samstag 14. 04
10:00: Panel 2: Flanking History

  • Matteo Calla (Cornell University) – “Charismatic Media: Klopstock’s Gelehrtenrepublik / Trump’s Twitter”

  • Luke W. Rylander (Duke University) – “Living Form: Vitalist Presuppositions in Schiller’s Aesthetic Education

11:00: Pause

11:30: Panel 3: Thinking Positionality

  • Endre Malcom Holeczy (New York University) – “Besides’ Desire: The Dash in Sacher-Masoch’s Venus im Pelz

  • Johanna Stapelfeld (Humboldt-Universität zu Berlin) – “On False Truth and Right Lies: Paul Wühr’s poetic subversion of knowledge as a practice of power”

  • Kassi S. Burnett (Ohio State University) – “Lateral Movement in the Environmental Humanities: An Ecocritical Analysis of Yoko Tawada’s Etüden im Schnee

13:00 Pause

14:30: Closing Seminar

Veranstaltungsort:

 

Cornell University, A.D. White House, 29 East Ave, Ithaca, NY 14850, USA