RE:SOURCES OF LITERATURE AND KNOWLEDGE

RE:SOURCES OF LITERATURE AND KNOWLEDGE

Quellen und Rohstoffe des Erzählens

Gemeinsamer Workshop des thematischen Netzwerks

„Literatur – Wissen – Medien“

18. – 20. Juli 2016 – Berlin

EINLEITUNG

 

Die „Quelle kann nur gedacht werden, in sofern sie fließt“[1], sie verweist im metaphorischen wie im umgangssprachlichen Sprachgebrauch gleichermaßen auf Anfänglichkeit und Produktivität. Ausgehend von dem impliziten Zweiklang von Mittel und Quelle, der auch im Begriff der Ressource nachklingt, eröffnet der zweitägige internationale Workshop an der Humboldt-Universität zu Berlin einen Fragehorizont, der von unterschiedlichen Praktiken der Quellenkunde, des Quellengebrauchs bis hin zur Frage nach den Materialitäten von Literatur und Wissen reicht.

 

Gegenstand der Diskussion werden damit zum einen Quellen-Probleme und -Narrative im weitesten Sinne als Topik und Begriffsmetapher sein: Mögliche Fragen reichen dabei von der philologischen Erschließung von Textquellen bis zur Untersuchung der Funktion von Ursprungssuche und Quellenphantasien, von Urszenen und Urbildern sowie von genealogischen Konzepten innerhalb kultureller Ordnungen. Die Verpflichtung von Wissen auf Quellen wirft dabei in wissenschaftlichen genau wie in journalistischen Kontexten das Problem der Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit auf: Wie werden Quellen produziert und Fakten geschaffen? Welche Strategien der Verifizierung oder umgekehrt der Desavouierung von Quellen spielen hier eine Rolle und wie verändert sich der Status von Wissen im Zuge solcher Quellenkritiken?

 

Zum anderen wird mit dem Workshop ein zweites Augenmerk auf die Rohstoffe von Literatur und Wissen, mithin ihre medialen und institutionellen Produktionsweisen, Formate und wechselseitigen Verschaltungen gelegt. Aus welchen Materien und Infrastrukturen speist sich das literarische Erzählen? Inwiefern lässt sich hier von Energieträgern als Ressourcen des Erzählens sprechen? Dabei soll sowohl der Horizont für eine metapoetische Reflexionen von Materialitäten der Literatur eröffnet als auch Rohstoffdiskurse und –poetiken in Literatur, ökologischem oder politischem Wissen diskutiert werden. Ausgehend von einer im Rohstoffbegriff inhärenten Widerständigkeit und ‚Rohheit’, ließe sich zum einen die Frage anschließen, durch welche erzählerischen Verfahren ein Rohstoff, verstanden als (zufälliges) Fundstück, zum literarischen Material wird, zum anderen wie eine solche Perspektive den literaturwissenschaftlichen Stoffbegriff bzw. das Verhältnis von Stoff und Materie verändert.

 

[1] J. W. v. Goethe: Dichtung und Wahrheit, Weimarer Ausg., 1. Abt., Bd. 27, Weimar 1889, S. 23.




TAGESABLAUF

18. Juli 2016

Quellen und philologisches Wissen

Begrüßung und Input

 

14.00 Uhr: Begrüßung / Einleitung (Joseph Vogl, HU-Berlin)

 

14.30 -15.30 Input-Vortrag von Marcel Lepper (DLA Marbach): Quellen der Quellen: Rhetorische, poetische und philologische Probleme.

 

15.30 Nikolaus Wegmann (Princeton University): Saubere und schmutzige Quellen

 

16.30 Kaffeepause (30 Min)

 

17.00 Chenxi Tang (University of California, Berkeley): Rechtsquellenlehre und Poetik.

 

18.00 Kaspar Renner (HU-Berlin): ,…eine palingenisierte Sammlung‘ – Herders ,Volkslieder‘ als doppelter Ursprung von Quellen- und Konjekturalphilologie.

19. Juli 2016

Ursprünge, Schöpfungsakte und Legitimationsstrategien

10.00 Alexander Honold (Universität Basel): Urquell. Das Wasser in ätiologischen Mythen.

 

11.00 Sebastian P. Klinger (Princeton University): Weisheitswissen. Zu Rilkes Praktik der Quellenkritik in der Zehnten Elegie.

 

12.00 – 13.30 Mittagspause

 

13.30 Stephen Klemm (Cornell University): History, Nature, Bildung: Alexander von Humboldt and the origins of historical time in Adalbert Stifter’s Nachsommer.

 

14.30 Joel Lande (Princeton University): Das Volk ohne Eigenschaften.

 

15.30 Kaffeepause (30 Min)

 

16.00 Andrea Krauss (Johns Hopkins University): Hamanns Quellen.

 

17.00 Christian Struck (Harvard University): Zur Plausibilität der Narration: Konstellation und Legitimation.

20. Juli 2016

Rohstoffpoetik: literarische (Wissens)produktion und Materialität von Literatur

10.00 Carli Cutchin (University of California, Berkeley): Trauma’s Archive: Poetic (Re)Source in David Jones and Paul Celan.

 

11.00 Sophia Gräfe (HU-Berlin): »Das stimmt sicher.“ Unauffindbare Quellen – Zur literarischen Bearbeitung von Geheimdienstakten bei Max Frisch und Jürgen Fuchs.

 

12.00 – 13.30 Mittagspause

 

13.30 Dariya Manova (HU-Berlin): „Im übrigen bin ich nach wie vor in den tiefen und heissen Bergwerken meines jetzigen Materialismus“. Rudolf Brunngraber und das Rohstoffsachbuch der Zwischenkriegszeit.

 

14.30 Marlene Dirschauer (FU-Berlin): Wasser als Ur-Stoff des Erzählens in Virginia Woolfs The Waves (1931).

 

15.30 Kaffeepause (30 Min)

 

16.00 Maya Nitis (Johns Hopkins University): Literary agency and Second-hand Knowledges.

 

17.00 Luce de Lire (Johns Hopkins University): Deconstructive Materialism – History of Debt and Economy of Theft.

 

18.00  Ende des Workshops

 

Veranstaltungsort:

 

Humboldt Universität zu Berlin
Hauptgebäude, Raum 2249a „Marmorsaal“ (Zwischengeschoss)

 

Unter den Linden 6
10099 Berlin