Das Wissen des Romans

Das Wissen des Romans

Lebens-Form / Gattungs-Form

Workshop an der Humboldt-Universität zu Berlin


m Gegensatz zu literarischen Formen, die über normative Regelpoetiken beschreibbar werden, entzieht sich der Roman einer Übereinstimmung (im Sinne einer Selbstidentität) mit solchen Poetiken. Insofern der Roman in seiner Nichtgegebenheit als Gattung die Frage nach Formprozessen und auch von denen des Lebens ist (Campe), leistet er als prozessuale Form die Darstellung des Hervortretens von Lebensformen, was er zugleich zu seinem poetischen Formprinzip erklärt. Anders formuliert: Als Ort, an dem die Frage nach der Form gestellt werden kann, erklärt der Roman Formemergenz zu seinem poetischen Prinzip. Wenn etwa Friedrich Schlegel das Wesentliche des Romans in der chaotischen Form sieht, Novalis im Roman „ein Leben, als Buch“ erkennt oder Walter Benjamin die Krisenhaftigkeit des Romans mit derjenigen des Lebens parallel liest, dann wird ersichtlich, inwiefern dem modernen Roman die Frage nach der poetischen auch zu der von Lebensform wird.

TAGESABLAUF

FR. 26.07.
10.45 – 11.45 Begrüßung und Reading
“Form and Life in the Theory of the Novel”
12.00 – 13.30
Johannes Endres (UC Riverside): Leonardos „Kindheitserinnerung“ und die Genese des autobiographischen Romans 
Christiane Frey (HU Berlin): Leben und Form der kleinen Bezüge. Zu Blanckenburgs „Versuch über den Roman“
15.00 – 16.30
Adrian Renner (Hamburg): Möglichkeitsformen des Romans um 1800 (D.Schlegel, F.Schlegel, Brentano)
Adrian Robanus (Köln): Wielands ‚Agathon‘ und Wezels „Tobias Knaut“ als Provokation von Blumenbergs „Wirklichkeitsbegriff und Möglichkeit des Romans“
17.00 – 18.30
Benjamin Heller (Yale): Form und Leben in Jean Pauls „Leben Fibels“
Anja Gerigk (LMU München): Kulturtechniken als Formrisiko für Leben und Roman: Wahlverwandtschaften
SA 27.07.
9.30 – 11.00
Franziska Schweiger (Hamilton): Reframing the Fragment: Keun’s Doris and Freud’s Dora
Sebastian Brass (Harvard): Familie, Gesellschaft und Lebensform(en) in Thomas Manns „Buddenbrooks“ und George Eliots „Middlemarch“
11.30 – 13.00
Judith Niehaus (Hamburg): Kein graues Rechteck der Schrift. Wie Philipp Weiss’ „Am Weltenraum sitzen die Menschen und lachen“ die typographische Form des Romans strapaziert
Lilla Balint (UC Berkeley): Rhythm, Form, Critique: Kathrin Röggla‘s „wir schlafen nicht“
14.30 – 16.00
William Stewart (Princeton): Annäherungen an eine Fraktaltheorie des Romans
Elias Kreuzmair (Greifswald): Theorie ohne Gattung (Foucault, Derrida, Barthes)

Veranstaltungsort:

 

Humboldt-Universität zu Berlin

Dorotheenstraße 24

10117 Berlin

Raum 3.246